Ladestationen für Wohnanlagen und Unternehmen: Schritte, Leistung, Lastmanagement und Abrechnung
Ratgeber · 15. Okt. 2026
Ladestationen für Wohnanlagen und Unternehmen: Schritte, Leistung, Lastmanagement und Abrechnung
Von Engin Demirel · Elektrotechniker, Lehrmeister · 12 Jahre Erfahrung
Kurze Antwort: Ladestationen in einer Wohnanlage, einem Unternehmen, einem Hotel oder einem Einkaufszentrum werden in vier Schritten errichtet: Zustimmung, Ermittlung der verfügbaren elektrischen Leistung, Planung der Anzahl der Ladepunkte mit Lastmanagement und eine fachgerecht geplante Installation. Der häufigste Fehler in gemeinsamen Parkflächen ist, jedem Ladepunkt die volle Leistung zu reservieren und den Netzanschluss unnötig zu vergrößern. Mit Ladestationen, die dynamisches Lastmanagement unterstützen, Nutzer per Karte erkennen und den Verbrauch pro Nutzer erfassen (OCPP, RFID, bei Bedarf MID-Zähler), lassen sich am selben Anschluss deutlich mehr Fahrzeuge laden.
Dieser Ratgeber behandelt die technische Planung. Zu Eigentümerbeschlüssen, Pflichten für Neubauten und Lizenzen in der Türkei lesen Sie unseren Ratgeber zu den Vorschriften für Ladestationen in Gebäuden; in anderen Ländern gelten die örtlichen Vorschriften.
1. Wer lädt und wie lange stehen die Fahrzeuge?
Eine gute Planung beginnt mit dem Nutzungsprofil. Dieselben zehn Ladepunkte brauchen in einer Wohnanlage und in einem Einkaufszentrum sehr unterschiedliche Leistung.
- Wohnanlage: Die Fahrzeuge stehen nachts 8–12 Stunden. Ein Auto mit 40 km Tagesstrecke verbraucht etwa 6–8 kWh, die über Nacht mit 3,7–7 kW leicht nachgeladen werden. Entscheidend ist nicht hohe Leistung, sondern die faire Verteilung auf viele Ladepunkte.
- Unternehmen und Werk: Mitarbeiterfahrzeuge stehen 8–9 Stunden, Besucher kürzer. Wenn alle zu Schichtbeginn einstecken, zahlt sich Lastmanagement am meisten aus.
- Fuhrparkdepot: Fahrzeuge kehren zu festen Zeiten zurück; geplantes Laden und Prioritäten werden wichtig.
- Hotel: Gäste bleiben meist eine Nacht; 11 kW AC reichen für die meisten Fahrzeuge.
- Einkaufszentrum, Restaurant, Raststätte: Parkdauer 1–2 Stunden. AC bringt nur eine Teilladung, hier kommt DC-Schnellladen ins Spiel.
2. Verfügbare Leistung ermitteln
Benötigt werden Anschlussleistung, Hauptsicherung und die tatsächliche Last im Tagesverlauf. Entscheidend ist nicht die vertragliche Leistung, sondern wie viel Reserve zu den Ladezeiten bleibt. In Wohnanlagen ist die Allgemeinlast nachts gering; in Unternehmen sind Maschinen- und Klimalasten während der Arbeitszeit hoch.
Eine schnelle Rechnung: Eine 22-kW-AC-Ladestation zieht dreiphasig 32 A. Für zehn Stationen je 32 A zu reservieren bedeutet 320 A, was die meisten Gebäude nicht liefern können. Werden dagegen zum Beispiel 100 A für das Laden vorgesehen und per Lastmanagement verteilt, erhält jedes von zehn gleichzeitig angeschlossenen Autos etwa 10 A (dreiphasig rund 7 kW) – über Nacht mehr als genug. Grundlagen erklärt unser Ratgeber einphasig oder dreiphasig.
Reicht die Reserve nicht, wird beim Netzbetreiber eine Leistungserhöhung beantragt; bei großen Projekten wird auch die Trafokapazität geprüft. Das ist der Posten mit dem größten Einfluss auf Kosten und Dauer – deshalb zuerst berechnen, wie viel sich mit Lastmanagement lösen lässt.
3. Lastmanagement: statisch oder dynamisch?
- Statische Lastverteilung: Die Ladestationen erhalten eine Gesamtgrenze, die auf die angeschlossenen Fahrzeuge aufgeteilt wird. Einfach, aber ohne Blick auf die übrige Gebäudelast.
- Dynamisches Lastmanagement (DLM): Der Strom wird am Hausanschluss gemessen; steigt die Gebäudelast, sinkt die Ladeleistung automatisch und umgekehrt. Anschlussleistung und Sicherungen werden nicht überschritten.
- Zentrale Verwaltung: Über OCPP angebundene Stationen lassen sich per Software mit Leistungsgrenzen und Prioritäten steuern. Mehr dazu in Was ist OCPP?
Sollen später weitere Ladepunkte folgen, wird die Infrastruktur von Anfang an dafür ausgelegt: Zuleitung, Verteiler und Kabelwege werden einmal groß dimensioniert, Stationen kommen schrittweise hinzu.
4. Abrechnung und Verbrauchserfassung
Bei Stationen an einem gemeinsamen Anschluss lautet die wichtigste Frage: Wer hat wie viel Strom verbraucht? Übliche Lösungen:
- Erfassung pro Nutzer: Jeder startet mit eigener RFID-Karte oder App; der Verbrauch wird pro Nutzer protokolliert und über das Hausgeld oder eine eigene Rechnung weitergegeben.
- MID-Zähler: Misst die geladene Energie geeicht und vermeidet Streit, wenn Kosten auf Nutzer verteilt werden.
- Anbindung an einen Ladepunktbetreiber: Für öffentliches, kostenpflichtiges Laden werden die Stationen per OCPP an die Plattform eines Betreibers angebunden. Die Regeln dafür hängen vom Land ab.
- Versorgung über den eigenen Zähler: In manchen Gebäuden wird die Station über den Wohnungszähler des Nutzers versorgt. Keine Kostenaufteilung nötig, aber jede Station braucht eine eigene Leitung und Lastmanagement wird schwieriger.
5. Welche Ladestation?
Für gemeinsame Parkflächen eignet sich eine mehrbenutzerfähige, verwaltbare Station statt einer Einzelnutzer-Wallbox. Die Bemis Charger Pro 2 ist dafür ausgelegt: Stufen 6–10–16–32 A für etwa 4–7–11–22 kW, dynamisches Lastmanagement, OCPP 1.6, RFID-Leser, LCD-Anzeige, WLAN und App; Varianten mit GSM-Modul (4G) für Tiefgaragen und mit MID-Zähler für die Abrechnung sind erhältlich. Für kleinere Anlagen und Unternehmen bietet auch die Charger Plus 2 Lastmanagement und OCPP 1.6. Ohne Wand wird die Station auf einen Standfuß montiert.
Für Einkaufszentren, Restaurants und Betriebe an der Straße mit kurzer Parkdauer sind DC-Schnellladestationen die richtige Wahl. Da Leistung, Netzanschluss und Trafobedarf je Projekt variieren, werden DC-Stationen auf Anfrage angeboten.
6. Technische Punkte bei der Installation
- Für jede Station ein eigener Stromkreis, passender Leitungsquerschnitt und eigene Absicherung. Bei langen Leitungen wird der Spannungsfall berechnet: Kabelquerschnitt berechnen.
- Fehlerstromschutz: Für den Ladestromkreis wird der richtige Typ gewählt, siehe FI-Schalter-Typen. In Deutschland gelten die VDE-Normen.
- Erdungsmessung, Überspannungsschutz und ein ordentlicher Verteiler.
- Aufstellung: Fluchtwege und Rangierflächen frei halten, Station und Kabel gegen Anfahren schützen.
- Verbindung: Ist das WLAN in der Tiefgarage schwach, wird eine Kabelverbindung oder ein GSM-Modul eingeplant.
So läuft es bei ENGN (nur Bursa)
Unseren Installationsservice bieten wir nur in Bursa (Türkei) an.
- Vor-Ort-Termin: Wir prüfen Anschlussleistung, Verteiler und Kabelweg. Der Termin kostet 2.500 TRY zzgl. MwSt. und wird bei Auftragserteilung vom Angebot abgezogen.
- Schriftliches Angebot: Detailliertes Angebot mit Anzahl der Stationen, Lastmanagement-Vorschlag und Materialliste – in Wohnanlagen kann es der Eigentümerversammlung vorgelegt werden.
- Planung: Ohne Elektroplanung installieren wir nicht; die Planung kostet 15.000 TRY zzgl. MwSt. zusätzlich zur Installation. Bei Bedarf wird das Verfahren beim Netzbetreiber erledigt.
- Installation und Inbetriebnahme: Der Termin wird nach vollständiger Zahlung des Angebotsbetrags festgelegt. Jeder Stromkreis erhält standardmäßig einen 40-A-FI-Schalter Typ A, einen 40-A-Leitungsschutzschalter und einen Überspannungsschutz; ein Über-/Unterspannungsschutz ist optional. Die Stationen werden geprüft, Karten und Nutzer eingerichtet.
Für eine einzelne Station liegt der durchschnittliche Installationspreis je nach Kabellänge bei 15.000 TRY bis 10 m, 25.000 TRY bis 25 m und 40.000 TRY bis 50 m (ohne MwSt. und Gerät). Projekte mit mehreren Stationen werden nach dem Termin schriftlich angeboten.
- → Wallbox-Installation in Bursa
- → Vorschriften für Ladestationen in Gebäuden
- → Wallboxen
- → DC-Schnellladestationen
- → Kontakt und Angebot
Häufige Fragen
Was braucht man für Ladestationen in einer Wohnanlage?
Die Zustimmung der Eigentümer, eine Prüfung der elektrischen Leistung, einen Plan für Anzahl der Ladepunkte und Lastmanagement sowie eine geplante Installation. Die rechtlichen Anforderungen hängen vom Land ab; es gelten die örtlichen Vorschriften.
Wie viele Ladestationen passen in eine Tiefgarage?
Das hängt von der freien Leistung zu den Ladezeiten ab. Mit dynamischem Lastmanagement teilen sich die Stationen die Leistung, sodass am selben Anschluss deutlich mehr Stationen betrieben werden können.
Was ist Lastmanagement?
Ein System, das die Last am Hausanschluss misst und die Ladeleistung automatisch anpasst. Steigen andere Lasten, sinkt die Ladeleistung; Anschlussleistung und Sicherungen werden nicht überschritten.
Wie wird der Strom an gemeinsamen Ladestationen abgerechnet?
Jeder Nutzer startet mit eigener RFID-Karte oder App, der Verbrauch wird pro Nutzer erfasst. Stationen mit MID-Zähler messen geeicht; die Verwaltung kann danach abrechnen.
Sollte ein Unternehmen AC- oder DC-Ladestationen installieren?
Wo Fahrzeuge lange stehen – Büro, Werk, Hotel – genügt AC und ist deutlich günstiger. Bei 1–2 Stunden Parkdauer wie in Einkaufszentren, Restaurants oder an der Straße wird DC-Schnellladen bevorzugt.
Wie lange dauert die Installation?
Nach Termin, Angebot, Planung und ggf. Genehmigung des Netzbetreibers dauert die Installation selbst wenige Tage. Bei Leistungserhöhung oder Trafo dauert es länger.