Kabelquerschnitt berechnen: Strombelastbarkeit und Spannungsfall (mit Beispielen)

Ratgeber · 7. Okt. 2026

Kabelquerschnitt berechnen: Strombelastbarkeit und Spannungsfall (mit Beispielen)

Von Engin Demirel · Elektrotechniker, Lehrmeister · 12 Jahre Erfahrung

Kurze Antwort: Der Querschnitt muss zwei Bedingungen erfüllen: Die Leitung muss den Strom ohne Überhitzung tragen (Strombelastbarkeit), und der Spannungsfall entlang der Leitung muss unter dem Grenzwert bleiben. Spannungsfall einphasig: %e = (2 × L × P × 100) ÷ (k × S × U²), dreiphasig: %e = (L × P × 100) ÷ (k × S × U²), mit L in Metern, P in Watt, S in mm², k = 56 für Kupfer und U = 230 V bzw. 400 V. In Deutschland gelten für den Stromkreis nach dem Zähler üblicherweise 3 % (DIN VDE 0100-520), andere Länder haben eigene Werte (Türkei: 1,5 % Licht, 3 % Kraft). Es gilt die Bedingung, die den größeren Querschnitt verlangt.

1. Strombelastbarkeit

Die Leitung muss mehr tragen als der Nennstrom der Sicherung. Übliche Paarungen im Wohnbereich:

  • 1,5 mm² → 10 A (Licht; in Deutschland oft auch 16 A je nach Verlegeart)
  • 2,5 mm² → 16 A (Steckdosen)
  • 4 mm² → 20–25 A
  • 6 mm² → 32 A
  • 10 mm² → 40–50 A

Verlegung im Rohr, Häufung und warme Umgebung senken diese Werte (Umrechnungsfaktoren); maßgeblich sind die Herstellertabellen und die Verlegeart.

2. Spannungsfall

Auf langen Strecken fällt die Spannung, auch wenn die Belastbarkeit reicht: Leuchten werden dunkler, Motoren mühen sich, Wallboxen reduzieren die Leistung oder melden Fehler.

  • Einphasig: %e = (2 × L × P × 100) ÷ (k × S × U²), U = 230 V
  • Dreiphasig: %e = (L × P × 100) ÷ (k × S × U²), U = 400 V
  • k = 56 für Kupfer, 35 für Aluminium.

Beispiel 1: Wallbox 7,4 kW einphasig, 25 m

P = 7.400 W, L = 25 m, S = 6 mm²: %e = (2 × 25 × 7.400 × 100) ÷ (56 × 6 × 230²) = 37.000.000 ÷ 17.774.400 ≈ 2,1 %

Innerhalb von 3 %. Bei 40 m wären es 3,3 %; mit 10 mm² sinkt es auf 2 %. Für Ladestromkreise unter 3 % und möglichst niedriger planen, denn geladen wird stundenlang unter Volllast.

Beispiel 2: Wallbox 11 kW dreiphasig, 30 m

P = 11.000 W, L = 30 m, S = 4 mm²: %e = (30 × 11.000 × 100) ÷ (56 × 4 × 400²) = 33.000.000 ÷ 35.840.000 ≈ 0,9 %

Drehstrom überträgt dieselbe Leistung mit weniger Strom, der Spannungsfall ist klein; hier entscheidet die Strombelastbarkeit (16 A → 2,5–4 mm²).

Beispiel 3: Gartenbeleuchtung, 230 V, 60 m, 300 W

S = 1,5 mm²: %e = (2 × 60 × 300 × 100) ÷ (56 × 1,5 × 52.900) = 3.600.000 ÷ 4.443.600 ≈ 0,8 % – passt. In 12–24-V-Systemen ist U sehr klein, der Spannungsfall wächst schnell; dieselbe Leistung braucht viel dickere Leitungen oder mehrere Treiber.

Worauf achten?

  • Länge ist die tatsächliche Leitungslänge vom Verteiler bis zum letzten Gerät, inklusive Steigstrecken.
  • Größere Querschnitte müssen in die Klemmen passen.
  • Der Spannungsfall der Hauptleitung (Zähler bis Verteiler) kommt hinzu.
  • Die Rechnung dient der Orientierung; die endgültige Auswahl trifft die Elektrofachkraft nach Planung.

In Bursa übernimmt ENGN Leitungsberechnung und Montage für Ladestromkreise, Elektroinstallationen und Außenbeleuchtung.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Kabelquerschnitt?

Zuerst die Strombelastbarkeit für den Strom des Kreises prüfen, dann den Spannungsfall für die Leitungslänge; es gilt der größere Querschnitt.

Wie lautet die Formel für den Spannungsfall?

Einphasig: %e = (2 × L × P × 100) ÷ (k × S × U²); dreiphasig: %e = (L × P × 100) ÷ (k × S × U²). Kupfer k = 56; U = 230 V bzw. 400 V.

Welcher Spannungsfall ist zulässig?

In Deutschland üblicherweise 3 % nach dem Zähler; andere Länder haben eigene Werte (Türkei: 1,5 % Licht, 3 % Kraft).

Welcher Querschnitt für eine 7,4-kW-Wallbox?

Mindestens 6 mm² für 32 A. Bei 25 m etwa 2,1 % Spannungsfall; ab 40 m besser 10 mm².

Welcher Querschnitt für eine 11-kW-Wallbox?

Für 3 × 16 A meist 5 × 2,5–4 mm²; bei 30 m und 4 mm² etwa 0,9 % Spannungsfall.

Unterscheiden sich Aluminium- und Kupferkabel?

Ja; Aluminium leitet schlechter (k = 35 statt 56) und braucht für denselben Strom und Spannungsfall einen größeren Querschnitt.