Elektroinstallation erneuern: wann es nötig ist und wie es abläuft

Ratgeber · 19. Okt. 2026

Elektroinstallation erneuern: wann es nötig ist und wie es abläuft

Von Engin Demirel · Elektrotechniker, Lehrmeister · 12 Jahre Erfahrung

Kurze Antwort: Eine Elektroinstallation gehört auf den Prüfstand, wenn sie älter als 25–30 Jahre ist, die Steckdosen keinen Schutzleiter haben, im Verteiler kein Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) sitzt, Sicherungen häufig auslösen, Steckdosen und Stecker warm werden oder sich verfärben oder neue große Verbraucher wie Klimagerät, Einbaubackofen oder Wallbox dazukommen. Die Erneuerung beginnt mit Messungen: Erdungs-, Isolations- und FI-Prüfung zeigen, welche Stromkreise bleiben können und welche ersetzt werden müssen. In den meisten Häusern bringt ein neuer Verteiler (30-mA-FI-Schutz, passende Leitungsschutzschalter) zusammen mit einer ordentlichen Erdung den größten Sicherheitsgewinn.

Anzeichen einer alten Installation

  • Die meisten Steckdosen haben keinen Schutzkontakt.
  • Im Verteiler fehlt ein FI-Schutzschalter, oder er löst beim Drücken der Prüftaste nicht aus.
  • Alte Schraubsicherungen oder häufig auslösende Leitungsschutzschalter.
  • Steckdosen, Stecker oder Schalter werden warm, sind verfärbt oder knistern.
  • Das Licht flackert oder wird dunkler, wenn ein großes Gerät anläuft.
  • Verhärtete oder rissige Leitungsisolierung; Aluminiumleiter.
  • Zu viele Steckdosen an einem Stromkreis und viele Mehrfachsteckdosen.

Schon eines dieser Anzeichen ist ein Grund für eine Prüfung durch eine Elektrofachkraft; warme und verfärbte Verbindungen sind eine Brandgefahr.

Zuerst messen: was bleibt, was wird erneuert?

  • Erdungsmessung: Ist eine Erdung vorhanden und ist ihr Widerstand ausreichend niedrig?
  • Isolationsmessung: Ist die Isolierung der Leitungen in Ordnung? Niedrige Werte deuten auf feuchte oder verschlissene Leitungen.
  • FI-Prüfung: Löst der Schalter beim richtigen Strom und in der richtigen Zeit aus?
  • Stromkreis- und Lastprüfung: Welcher Schalter versorgt welchen Kreis, passen die Querschnitte zur Last?

Je nach Ergebnis können manche Stromkreise bleiben und nur Verteiler und Auslässe erneuert werden; in anderen Häusern müssen alle Leitungen ersetzt werden.

Teil- oder Komplettsanierung?

  • Teilsanierung: neuer Verteiler, Schutzleiter, neue Steckdosen und Schalter in einzelnen Räumen, eigene Stromkreise für große Geräte. Der wirtschaftlichste Weg, wenn die Leitungen gut sind und sich durch vorhandene Leerrohre tauschen lassen.
  • Komplettsanierung: Alle Stromkreise werden neu verlegt. Sinnvoll, wenn Leitungen ohne Rohr im Putz liegen oder die Isolierung schlecht ist, und besonders bei ohnehin geplanter Renovierung (Putz, Malerarbeiten, Küche, Bad), weil dann ohnehin gestemmt wird.

Was zur Erneuerung gehört

  1. Verteiler: Stromkreise auf eigene Leitungsschutzschalter aufteilen, 30-mA-FI-Schutz ergänzen (bevorzugt Typ A) und bei Bedarf Überspannungsschutz. Die meisten nationalen Errichtungsbestimmungen verlangen für Steckdosenkreise im Wohnbereich 30-mA-FI-Schutz.
  2. Erdung: Ein eigener Schutzleiter (grün-gelb), mit der Gebäudeerdung verbunden, führt zu jeder Steckdose und jeder Leuchte mit Metallgehäuse.
  3. Stromkreise: Querschnitte nach nationaler Norm und Belastung, eigene Kreise für Backofen, Klimagerät, Warmwasser und Wallbox.
  4. Aderfarben: Außenleiter braun (dreiphasig braun, schwarz, grau), Neutralleiter blau, Schutzleiter grün-gelb. Gemischte alte und neue Farbcodes führen bei Wartung zu Fehlern.
  5. Auslässe: Schutzkontaktsteckdosen und neue Schalter; in Feuchträumen passende IP-Schutzart.

Anschlussleistung und Drehstrom

Kommen neue große Verbraucher hinzu (Elektroherd, Wärmepumpe, Wallbox), reicht womöglich auch die Anschlussleistung beim Netzbetreiber nicht. Dann ist eine Leistungserhöhung oder ein Wechsel auf Drehstrom nötig. Das vor der Sanierung zu wissen, beeinflusst die Wahl von Verteiler und Leitungen.

Erneuerung im bewohnten Haus

Eine Komplettsanierung lässt sich im bewohnten Haus Raum für Raum durchführen, so geplant, dass abends wieder Strom anliegt. Beim Stemmen entstehen Staub und Lärm, Möbel müssen geschützt werden. Aufputzkanäle sparen Stemmarbeit, verändern aber die Optik; Unterputz ist sauberer.

Was die Kosten bestimmt

  • Größe der Wohnung und Zahl der Auslässe (Steckdosen, Schalter, Leuchten)
  • Ob Leitungen durch Rohre gezogen werden können oder gestemmt werden muss
  • Zahl und Marke der Schutzgeräte im Verteiler
  • Ob die Erdung neu hergestellt werden muss
  • Schalterprogramm und Leuchten
  • Ob Putz- und Malerarbeiten enthalten sind

Ein Preis sollte nach Besichtigung und Messung Position für Position genannt werden.

Mit ENGN in Bursa

In Bursa (Türkei) führen wir Elektroinstallationen in Villen, Wohnungen und Büros vom Fundament bis zur Übergabe aus und bewerten umfangreichere Sanierungen bei der Besichtigung nach ihrem Umfang. Details und Angebote finden Sie auf unserer Seite zur Elektroinstallation.

Häufige Fragen

Wie oft muss die Elektroinstallation erneuert werden?

Es gibt keine feste Frist; Isolierungen und Verbindungen altern. Anlagen älter als 25–30 Jahre, ohne Schutzleiter oder ohne FI-Schutz sollten geprüft und bei Bedarf erneuert werden.

Geht eine Erneuerung ohne Stemmen?

Liegen die Leitungen in Leerrohren, lassen sie sich oft herausziehen und neue durch dieselben Rohre einziehen. Ohne Rohr verlegte Leitungen erfordern Stemmen oder Aufputzkanäle.

Ist ein FI-Schutzschalter im Altbau Pflicht?

Für Neuanlagen und Erweiterungen verlangen die Normen in der Regel 30-mA-FI-Schutz für Steckdosenkreise. Im Altbau ist das Nachrüsten die wichtigste Sicherheitsverbesserung.

Was tun, wenn die Steckdosen keinen Schutzleiter haben?

Ein Schutzleiter muss verlegt und die Gebäudeerdung gemessen werden. Geräte mit Schutzleiter an Steckdosen ohne Schutzkontakt erhöhen die Gefahr eines Stromschlags.

Sollte man bei der Sanierung an die Wallbox denken?

Ja. Eine Wallbox braucht einen eigenen Stromkreis mit passendem Querschnitt; bei der Sanierung geplant, muss später nichts nachgezogen werden.