FI-Schalter 30 mA oder 300 mA? Bemessungsfehlerstrom, Selektivität und Wiedereinschaltautomatik
Ratgeber · 28. Okt. 2026
FI-Schalter 30 mA oder 300 mA? Bemessungsfehlerstrom, Selektivität und Wiedereinschaltautomatik
Von Engin Demirel · Elektrotechniker, Lehrmeister · 12 Jahre Erfahrung
Kurze Antwort: Ein FI-Schutzschalter mit 30 mA schützt Menschen vor elektrischem Schlag; er ist der übliche Wert für Steckdosen-, Bad-, Küchen- und Außenstromkreise in Wohnungen. 300 mA dienen dem Brandschutz: Sie trennen Fehlerströme durch Isolationsfehler, die einen Brand auslösen könnten, sind für den Personenschutz aber zu unempfindlich. Ein 300-mA-FI ersetzt deshalb nie einen 30-mA-FI; er sitzt meist am Gebäudeeingang oder in größeren Anlagen, zeitverzögert (Typ S) und mit 30-mA-Schaltern dahinter. In der Wohnung gilt im Zweifel: 30 mA.
Was bedeutet der mA-Wert?
Der FI-Schalter vergleicht den hinfließenden mit dem zurückfließenden Strom. Erreicht die Differenz – also Strom, der über Erde oder über einen Menschen abfließt – den angegebenen Wert, schaltet er ab. Dieser Wert heißt Bemessungsfehlerstrom (IΔn).
- 10 mA: sehr empfindlich. Wird in manchen Feuchträumen und Sonderanwendungen gern eingesetzt, neigt aber bei vielen Geräten zu Fehlauslösungen.
- 30 mA: Personenschutz (zusätzlicher Schutz). Trennt, bevor der Strom das Herz gefährden kann.
- 100 mA und 300 mA: Brandschutz und Selektivität, kein ausreichender Personenschutz.
- 500 mA und mehr: an der Einspeisung großer Anlagen, ebenfalls für Brand- und Anlagenschutz.
Ein FI-Schalter schützt nicht vor Überlast und Kurzschluss; dafür braucht jeder Stromkreis einen passenden Leitungsschutzschalter.
Wo kommen 30 mA zum Einsatz?
- Steckdosenstromkreise innen und außen
- Bad und Feuchträume
- Küche, Waschmaschine, Geschirrspüler
- Garten-, Balkon- und Außenbeleuchtung
- Wallbox-Stromkreis (mindestens Typ A, eigener FI)
In Deutschland schreibt die VDE 0100-410 für Steckdosenstromkreise bis 32 A und für Außenbereiche einen 30-mA-Schutz vor. Hängt die ganze Wohnung an einem einzigen 30-mA-FI, summieren sich kleine Ableitströme und führen zu Fehlauslösungen. Mehrere FI-Schalter für verschiedene Stromkreise reduzieren das und verhindern, dass bei einem Fehler die ganze Wohnung dunkel ist.
Wo kommen 300 mA zum Einsatz?
- Am Gebäudeeingang bzw. in der Hauptverteilung zur Überwachung der gesamten Anlage auf Brandgefahr
- In großen Gebäuden, Werkstätten und Lagern mit langen Leitungen
- Als vorgeschaltete Stufe einer Verteilung mit 30-mA-Schaltern dahinter
Einen 300-mA-FI als „Personenschutz“ für Steckdosen oder Bad einzusetzen, ist falsch.
Selektivität: Staffelung von Haupt- und Unterverteilung
Sitzen in der Hauptverteilung 300 mA und in der Unterverteilung 30 mA, können bei einem Fehler beide auslösen – dann ist das ganze Gebäude stromlos. Dagegen hilft Selektivität:
- Der vorgeschaltete FI ist zeitverzögert, also selektiv (Typ S). Er wartet kurz, damit der nachgeschaltete zuerst abschaltet.
- Der vorgeschaltete Bemessungsfehlerstrom ist deutlich höher, meist mindestens dreimal (z. B. oben 300 mA S, unten 30 mA).
- Zwei unverzögerte FI-Schalter nie hintereinander im selben Stromkreis.
So wird nur der fehlerhafte Stromkreis abgeschaltet. Die Staffelung legt die Planung fest (Auswahl und Koordination nach VDE 0100-530). Die Legrand XC10 in unserem Sortiment werden nicht als Typ S angeboten; ein selektiver Haupt-FI muss projektbezogen gesondert festgelegt werden.
Was macht ein FI mit Wiedereinschaltautomatik?
Ein FI mit automatischer Wiedereinschaltung (selbstrückstellend, „smart“) wartet nach einer Auslösung durch ein vorübergehendes Ereignis wie Blitz oder Netzstörung und schaltet den Stromkreis dann selbst wieder ein. Manche Geräte prüfen vorher die Isolation der Anlage.
Wann ist das sinnvoll?
- In Ferienhäusern und selten bewohnten Gebäuden mit Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizung, Alarm und Kameras
- Bei entfernten, unbeaufsichtigten Anlagen wie Pumpen, Druckerhöhung und Bewässerung
- Bei Funkstationen und Automatisierungsschränken, wo Ausfälle teuer sind
Grenzen:
- Bei einem bleibenden Fehler (echter Fehlerstrom, beschädigte Leitung, feuchte Abzweigdose) verriegelt das Gerät nach einigen Versuchen und muss von Hand zurückgesetzt werden.
- Die Ursache wird nicht beseitigt; ein Stromkreis, der immer wieder auslöst, muss geprüft werden.
- Empfindlichkeit und Typ bleiben gleich: 30 mA oder 300 mA, Typ AC oder A werden nach denselben Regeln gewählt.
- Teurer als ein Standard-FI und oft breiter in der Verteilung.
Die Legrand XC10 in unserem Sortiment haben keine Wiedereinschaltautomatik; es sind Standard-FI-Schalter, die von Hand eingeschaltet werden.
Prüftaste: einmal im Monat
Die Taste „T“ bzw. „Test“ prüft, ob die Mechanik funktioniert. Hersteller empfehlen meist eine monatliche Betätigung, für Wohnungen ist auch halbjährlich verbreitet; löst der Schalter nicht aus, muss er getauscht werden. Auslösezeit und Auslösestrom misst die Taste nicht – das erledigt eine Elektrofachkraft mit einem Prüfgerät. Manche selbstrückstellende Geräte führen den Test selbst durch.
Typ AC oder Typ A?
Empfindlichkeit (30 mA, 300 mA) und Typ (AC, A, F, B) sind zwei verschiedene Dinge. Der Typ beschreibt, welche Fehlerstromformen erkannt werden. In heutigen Haushalten mit vielen elektronischen Geräten ist Typ A Standard, für Wallboxen ist mindestens Typ A nötig. Mehr dazu in den Ratgebern FI-Schalter-Typen A, B, F und FI-Schalter Typ A für die Wallbox.
Legrand XC10 in unserem Sortiment
Die FI-Schutzschalter Legrand XC10 Typ A und Typ AC gibt es 2-polig (einphasig) und 4-polig (dreiphasig), mit 25, 40 und 63 A sowie 30 mA und 300 mA; sie entsprechen EN/IEC 61008-1. Maßgeblich sind die nationalen Vorschriften – in Deutschland die VDE 0100, in der Türkei die Verordnung über elektrische Innenanlagen – und die Planung der Elektrofachkraft. ENGN baut Verteilungen bei Elektroinstallationen in Bursa nach Planung auf.
- → FI-Schalter-Typen A, B, F
- → FI-Schalter Typ A für die Wallbox
- → Sicherungen und Verteiler im Haus
- → B- oder C-Charakteristik
- → Erdung in der Hausinstallation
- → FI-Schutzschalter
- → Leitungsschutzschalter
Häufige Fragen
30 mA oder 300 mA FI für die Wohnung?
In Wohnungen werden 30 mA für den Personenschutz eingesetzt. 300 mA dienen dem Brandschutz und schützen keine Menschen; sie sitzen meist am Eingang größerer Gebäude mit 30-mA-Schaltern dahinter.
Wofür ist ein 300-mA-FI-Schalter?
Er trennt Fehlerströme durch Isolationsfehler, die einen Brand verursachen können. Eingesetzt wird er an der Einspeisung und in größeren Anlagen, meist zeitverzögert als Typ S.
Was ist ein selektiver FI-Schalter Typ S?
Ein zeitverzögerter FI-Schalter. Vorgeschaltet wartet er kurz, damit der nachgeschaltete 30-mA-Schalter zuerst auslöst – so wird nur der fehlerhafte Stromkreis abgeschaltet.
Was bringt ein FI mit Wiedereinschaltautomatik?
Nach einer Auslösung durch ein vorübergehendes Ereignis schaltet er selbst wieder ein. Sinnvoll in Ferienhäusern, bei Pumpen und Gefriergeräten; bei bleibendem Fehler verriegelt er nach einigen Versuchen und behebt die Ursache nicht.
Wie oft muss man die Prüftaste am FI drücken?
Hersteller empfehlen meist einmal im Monat, in Wohnungen ist auch halbjährlich üblich. Löst der Schalter nicht aus, muss er getauscht werden; Auslösezeit und -strom misst ein Prüfgerät.
Braucht das Bad einen 10-mA-FI?
Im Bad ist mindestens ein 30-mA-Schutz vorgeschrieben (VDE 0100-701). 10 mA werden in manchen Feuchtraumanwendungen gewählt, neigen aber zu Fehlauslösungen.